Wider den deutschen Opfermythos

Heute am „Internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocausts“ gedenken wir den Opfern der deutschen Barbarei. Doch auch die Täter sind nicht vergessen. Da vor allem in deutschen Köpfen häufig Verwirrung darüber herrscht in welche Kategorie der Großteil der damaligen deutschen Bevölkerung einzuordnen ist, hier zwei Beiträge wider den deutschen Opfermythos:

1. Mythos „Trümmerfrauen“: Hartnäckig hält sich im kollektiven Gedächtnis das Bild, wonach Frauen zunächst im Krieg unter Luftangriffen litten, und danach als „Heldinnen“ Deutschland wieder aufbauten. So wurde nahegelegt, dass die Frauen ebenso unschuldig wie leistungsstark waren. Doch Leonie Treber weist in Ihrer Studie diesem Konstrukt mühelos nach, dass es historisch nicht haltbar ist.

2.“Jeder konnte es wissen“- Das neu entdeckte Tagebuch von Friedrich Kellner (1939-1945): Das Tagebuch des hessischen Justizbeamten zeigt, dass der Normalbürger von den Verbrechen des NS-Regimes alles entscheidende mitbekam. Fazit Kellners »Es gibt keine Strafe, die hart genug wäre, bei diesen Nazi-Bestien angewendet zu werden. Natürlich müssen bei der Vergeltung auch wieder die Unschuldigen mitleiden. 99 Prozent der deutschen Bevölkerung tragen mittelbar oder unmittelbar die Schuld an den heutigen Zuständen.«

Über rechts

Hier zwei sehr empfehlenswerte Beiträge über rechte Zusammenhänge in Deutschland:

1. „Verdrängte Vergangenheit? Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik“ ein Radiobeitrag auf Deutschlandradio Kultur: Hepp-Kexel-Gruppe, Aktion Widerstand, Ekkehard Weil, „Bombenhirn“ Naumann, – kaum jemand kennt diese Namen. Auch den verantwortlichen Politikern ging es wohl so, als 2011 der NSU aufflog. Dabei gab es in der Bundesrepublik seit den 1960er-Jahren Terrorakte von Rechtsextremisten.

2. „Das braune Netzwerk“ ein Film von WDR über die Vernetzung und Agenda der rechten Szene von AFD, NPD über Identitäre Bewegung und rechten Vordenkern wie Kubitschek.

Liberté! Die vergessene Heldin Noor Inayat Khan

Dies ist ein Dokumentarfilm über Noor Inayat Khan, die als britische Agentin im besetzten Frankreich gegen die Deutschen kämpfte. Sie sendete ab Juni 1943 von Paris aus als erste weibliche SOE-Funkerin (Special Operatings Executive) unter ständiger Lebensgefahr Informationen nach London. Vermutlich um den 13. Oktober 1943 wurde sie von der Gestapo festgenommen und am 13. September 1944 in Dachau ermordet. Ihr letztes Wort war „Liberté“.

♣♪ 5 Songs To Ring In 2017♪♣

Jihadismus gegen die Willkommenskultur

„Wenn die Tat ein weiterer Sargnagel für die fragile deutsche „Willkommenskultur“ wird, ist dies ein Sieg für den IS und alle radikalen Islamisten weltweit.“

Hannah Wettig via Jungle World

Mit jedem Attentat in Paris, in Brüssel, in Istanbul wuchs die Angst. Wird es ein stehengelassener Rucksack sein wie damals in Madrid? Ein Sprengkörper in einer Mülltonne wie kürzlich in New York? Nun war es ein LKW wie in Nizza. Ein Laster raste in einen beliebten und belebten Weihnachtsmarkt vor einer der bekanntesten Kirchen Berlins – zwölf Tote, Dutzende Verletzte. Auch wenn die Motive hinter der Tat noch nicht geklärt sind, spricht vieles dafür, dass es sich um einen Anschlag in der Tradition der oben genannten handelt.

Hinter den benannten Anschlägen steckt noch eine Logik, die sich schon in den frühesten Schriften militanter Islamisten findet. Der moderne Islamismus hat von Anfang an auf den Gegensatz von Orient und Okzident gebaut. Die These vom „Zusammenprall der Zivilisationen“ ist nicht die Erfindung Samuel Huntingtons. Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat der Gründer der Muslimbruderschaft, Hassan al-Banna, von diesem Gegensatz gesprochen. Der radikale Ideologe Said al-Qutb hat die These in seinen Gefängnisschriften ausgebaut.

Dass Orient und Okzident unvereinbar im Widerspruch stünden, ist Kern islamistischer Ideologie. Es ist die Grundlage für ihre sichtbarste politische Forderung: Die Verschleierung der Frau und die Ablehnung jeglichen „westlichen“ Verhaltens – womit eine Vielzahl von Verhaltenweisen gemeint sein kann, von Sport bis Make-up. Diese These ist aber auch Grund für die Leerstelle der islamistischen Politik in Bezug auf alle anderen Fragen: Sie haben keine wirtschaftlichen, sozialstaatlichen oder sicherheitspolitischen Konzepte. Genau deshalb brauchen sie diesen Gegensatz so dringend: Andere Erklärungen für die Missstände der Welt, etwa kapitalismuskritische, sozialdemokratische oder auch imperial-neoliberale, haben sie nicht.

Ihr Zulauf in der Bevölkerung baut allein darauf, dass die Islamisten seit Jahrzehnten predigen, dass das Westliche und die Verwestlichung an allem Übel schuld seien – wohlgemerkt: Nicht „der Westen“ wie es die Antiimperialisten meist missverstehen und so in den Islamisten Brüder im Geiste erkennen, sondern jegliches Verhalten und alle Symbole, die westlich anmuten.

Das Schlimmste, das dem politischen Islam passieren kann, ist, dass dieses Weltbild bei ihrer potenziellen Anhängerschaft ins Wanken gerät. Darum sind gerade Muslime, die einen westlichen Lebensstil bevorzugen, ein bevorzugtes Angriffsziel. Aber auch den „Willkommenssommer“ in Deutschland im vergangenen Jahr müssen Islamisten als Gefahr wahrnehmen. Ausgerechnet ein Land der Ungläubigen hat hunderttausende Flüchtlinge aufgenommen aus einem Krieg, den die Jihadisten als Werk der Ungläubigen darstellen und aus dem sie derzeit ihr größtes Kapital ziehen. Noch dazu erschienen diese Ungläubigen oft menschlicher gegenüber den Flüchtlingen als die muslimischen „Brüder und Schwestern“ in den Nachbarländern. Das liegt auch daran, dass die Kapazitäten dort ausgeschöpft sind. Aber der Einzelne erlebt es so, dass er in der Türkei, dem Libanon oder in Jordanien die Aussichtslosigkeit gigantischer Massenauffanglager erleben muss, während er in Deutschland mit offenen Armen empfangen wird von Menschen, die ihn am Bahnhof mit Decken und Verpflegung erwarten. Ein Bild, ein Gegensatz, ein nachhaltiger Eindruck.

Als Kriegspartei ist Deutschlands Rolle irrelevant. Aber Merkels Deutschland als Leuchtturm der Hoffnung und Errettung aus dem Elend der Flucht – dieses Bild zu zerstören, würde den Interessen des „Islamischen Staates“ (IS) dienen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und mit ihr die Mehrheit der deutschen Bevölkerung haben den Gegensatz von Orient und Okzident – das Fundament des Islamismus selbst – für einen Moment aufgehoben. Gleich wer hinter der Tat von Berlin steckt – wenn sie ein weiterer Sargnagel für die fragile deutsche „Willkommenskultur“ wird, ist dies ein Sieg für den IS und alle radikalen Islamisten weltweit.

Nadia und Lamyia kämpfen gegen den IS

Nadia Murad und Lamiya Aji Bashar, zwei junge Frauen, die vor Hass, Mord und Vergewaltigung durch die IS-Terrormiliz (Daesh) aus dem Irak fliehen konnten, wurden am Dienstag mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit vom Europäischen Parlament ausgezeichnet.
In The Global Conversation sprechen sie über das, was ihnen widerfahren ist, aber auch über ihre Zukunft und ihre Hoffnung.

img_5630

Sacharow Preisträgerinnen

Minderheiten sind keine homogenen Gemeinschaften

Warum scheint es insbesondere ­europäischen Feministinnen oder Linken so schwer zu fallen, Religion grundsätzlich zu kritisieren?

img_5629
„Ein Teil der Linken sieht wegen seiner antiimperialistischen Neigung und seiner antikolonialen Perspektive jeden Widerstand gegen imperialistische Staaten als revolutionäre Kraft. Diese #Linke kann nicht verstehen, dass der #Islamismus, auch wenn er den westlichen Imperialismus herausfordert, ebenso eine regressive und unterdrückerische Kraft ist.“
Minderheiten sind keine homogenen Gemeinschaften

Residents of east Aleppo have sent out desperate messages imploring the international community to save civilians.

“Aleppo is being destroyed and burned completely,” said Mohammad Abu Rajab, a doctor in the besieged areas of the city, in a voice message. “This is a final distress call to the world. Save the lives of these children and women and old men. Save them. Nobody is left. You might not hear our voice after this. It is the last call, the last call to every free person in this world. Save the city of Aleppo.”
img_5628
Forces loyal to the Syrian regime in eastern Aleppo. Photograph: Xinhua / Barcroft Images

The End of Aleppo

Geschlechterverhältnisse sind Produktionsverhältnisse

Ein kurzes, lesenswertes Interview mit Frigga Haug über Marxismus und Feminismus.
„Dies bedeutet, dass Kapitalismuskritik und Feminismus nur zusammen als erfolgreiches Befreiungsprojekt gelingen können.“
img_5627
Seit etwa 40 Jahren versucht die Soziologin und Philosophin Frigga Haug, Marxismus und Feminismus zu vereinen – zunächst in der 68er- und der Frauen­bewegung ­sowie später als Soziologieprofessorin in Hamburg, als Mitherausgeberin der Zeitschrift »Das ­Argument« und als Redakteurin des »Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus«. Anfang Oktober nahm sie an der zweiten »Marxistisch-Feministischen Konferenz« in Wien teil.

Geschlechterverhältnisse sind Produktionsverhältnisse

„My Stealthy Freedom“ im Europaparlament

Im Iran sind Frauen seit der iranischen Revolution 1979 per Gesetz gezwungen ihre Haare in der Öffentlichkeit zu bedecken. „My Stealthy Freedom“ ist eine Kampagne, die 2014 von der iranischen Journalistin Masih Alinejad gegründet wurde und auf deren Internetseite Frauen Fotos von sich ohne Verschleierung veröffentlichen, um ein Zeichen gegen den Kopftuchzwang und Diskriminierung zu setzen. Hier eine Rede von Masih Alinejad vor dem europäischen Parlament, in der sie europäische PolitikerInnen dazu aufruft ihren Kampf zu untersützen und sich bei Iranreisen nicht protestlos dem Kopftuchzwang zu unterwerfen. Sie betont es gehe ihr darum selbst wählen zu dürfen, ob man ein Kopftuch tragen will oder nicht.



Archive