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Die Verliererinnen vom Tahrir-Platz

Mittwoch, Januar 25th, 2012

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„Diese Revolution hat uns gleich gemacht, Männer wie Frauen“, sagt Azza Helal Suleiman, „denn wir alle können sterben.“

Das Video vom Tahrir-Platz, in dem eine Frau von Militärs gedemütigt und misshandelt wird ging um die Welt. Wir sehen diese Aufnahmen und können nur erahnen, was in Kairo vor sich geht. Azza Helal Suleiman war vor Ort. Als sie der Frau auf dem Video zu Hilfe kommen wollte wurde sie ebenfalls zum Opfer. Die Folge: Ein Schädelbruch, ein Schnitt unter dem Auge, Prellungen an Armen und Beinen, schwere Blutungen.

Doch nicht nur die Bilder vom Tahrir-Platz machen deutlich: Frauen sind die Verliererinnen der Revolution.

Nach den ersten demokratischen Wahlen sind die Frauen nun auch politisch marginalisiert.
98 Prozent der Abgeordneten im neu gewählten Parlament werden Männer sein, nur zwei Prozent der Abgeordneten Frauen. Eine Quotenregelung, wonach mindestens zwölf Prozent aller Parlamentarier weiblich sein mussten, war vom regierenden Militärrat vor den Wahlen abgeschafft worden.

Liberale Kräfte hatten bei den Wahlen keine Chance. Das Resultat: Die Partei für Freiheit und Gerechtigkeit der islamistischen Muslimbrüder ist mächtigste Gruppe im neuen Parlament, zweitmächtigste die Nur-Partei der Salafisten.

Die Islamisten nutzen die Gunst der Stunde. Es ist das »Coming-out« einer Bewegung, die in den vergangenen Jahrzehnten politisch nicht aktiv sein konnte, die aber die demokratischen Strukturen missbraucht, um eigene Ziele zu verwirklichen. Sie haben die Revolution »gekidnappt«.

Der Tahrir-Platz war das Symbol der Hoffnung. Nun ist er ein Symbol der Enttäuschung. Der arabische Frühling ist zum islamistischen Frühling geworden.

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„The revolution has made ​​us equal, men and women,“ said Azza Suleiman Helal, „because we all can die.“

The video from Tahrir Square, where a woman got humiliated and mistreated by the military went around the world. We see these pictures and can only imagine what goes on in Cairo.
Azza Suleiman Helal was there. When she tried to help the woman on the video she got abused herself. The result: a fractured skull, a cut under her eye, bruises on the arms and legs, severe bleeding.

But not only the images from Tahrir Square make clear that women are the losers of the revolution.

After the first democratic elections, the women are now politically marginalized.
98 percent of deputies in the newly elected parliament will be men, only two percent of parliamentarians will be women. A quota system, whereby at least twelve percent of all parliamentarians had to be female, had been abolished by the ruling military council before the elections.

Liberal forces had no chance in the elections. The result: The Party for Freedom and Justice of the Islamist Muslim Brotherhood is the most powerful group in the new parliament, the second most powerful party are Salafists.

The Islamists seize the hour. It is the „coming out“ of a movement that could not be politically active over the past decades. They now use the democratic structures to achieve their goals. They have hijacked the revolution.

The Tahrir Square was the symbol of hope. Now it is a symbol of disappointment. The Arab Spring has become an Islamist spring.

„Gender und Rechtsextremismus“

Montag, Januar 23rd, 2012

Seit diesem Monat gibt es von der Amadeu Antonio Stiftung eine neues Projekt, das sich mit den Geschlechterrollen in der rechten Szene beschäftigt. In der öffentlichen Meinung herrscht das Bild von einer fast ausschließlich männlichen Neonaziszene vor. Rechte Frauen werden meist nur als Mitläuferinnen und Anhängsel betrachtet. In diesem Sinne funktionierte auch die Berichterstattung über Beate Zschäpe, Mitglied des „Nationalsozialistischen Untergrunds“, die vor allem als Mitläuferin und Liebhaberin von Böhnhardt und Mundlos wahrgenommen wird. Hierzu hat das Forschungsnetzwerk „Frauen und Rechtsextremismus“ einen offenen Brief verfasst. Diesen und viele weitere Informationen findet ihr auf der Homepage. Dort stellt sich die Fachstelle „Gender und Rechtsextremismus“ folgendermaßen vor:

Traditionelle Geschlechterrollen, Vorstellungen vom „richtigen Mann“ und das Bild der „deutschen Mutter“ prägen den modernen Rechtsextremismus. Diese Geschlechterideologie ist ein zentrales Element der vorgestellten deutschen Volksgemeinschaft, ohne sie würden rechte Gruppierungen und ihre Ideologie nicht funktionieren. Wenn Mädchen oder Jungen in die rechte Szene einsteigen, so orientieren sie sich oft an den hier vorzufindenden Geschlechterrollen. Auch wenn solche Vorstellungen innerhalb der extremen Rechten sehr deutlich erkennbar sind, lassen sie sich nicht hierauf begrenzen. Traditionelle Geschlechterbilder werden bis weit in die Mitte der Gesellschaft vertreten. Die biologistische Geschlechterideologie, die von rechten Gruppierungen vertreten wird, ist daher sehr leicht anschlussfähig und bleibt häufig unerkannt. Bisher beschäftigen sich jedoch nur wenige Projekte mit diesen Fragen oder arbeiten geschlechterreflektierend. Die Amadeu Antonio Stiftung richtet deshalb eine Fachstelle zum Thema „Gender und Rechtsextremismus“ ein. Hier wird eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis hergestellt, Projekte gegen Rechtsextremismus finden Unterstützung, WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen einen Ort des Austauschs und PolitikerInnen können beraten werden.

Auf dieser Homepage finden Sie Informationen zur Arbeit der Fachstelle. Es wird die Relevanz einer Gender-Perspektive für die Arbeit gegen Rechtsextremismus diskutiert und warum sie bislang nur wenig Beachtung erfahren hat. . Sie finden Hintergrundinformationen zum Thema, es werden Praxisansätze vorgestellt aber auch Bedarfe angesprochen, die sich sowohl für die Praxis als auch für die Forschung formulieren lassen.

 

Die Kriegerin

Donnerstag, Januar 19th, 2012


Ab heute ist David Wnendts Film „Die Kriegerin“ in den Kinos zu sehen. Er handelt von einem Nazi-Skingirl in einer ostdeutschen Kleinstadt. Michael Bergmann hat den Film bereits gesehen und erklärt den Anspruch des Regisseurs, ein differenziertes Bild der modernen Naziszene zu liefern, für gescheitert. Er schreibt in der Jungle World:

Als das Zwickauer Terrornetzwerk aufflog, war »Die Kriegerin« bereits abgedreht. Der Film zeigt die rechte Szene so, wie die Mehrheit der Deutschen sie wohl gerne sehen will: Nazis sind saufende, prügelnde Verlierertypen mit eintätowierten Hakenkreuzen und Springerstiefeln. Die politischen Ansichten der Hauptfiguren bleiben holzschnittartig, Anknüpfungspunkte an gesellschaftlich mehrheitsfähige Diskurse werden nicht benannt. Der Blick wird auf den sogenannten Rand der Gesellschaft gelenkt, auf eine kleine Gruppe von Deliquenten mit Desintegrationserfahrungen. So kann man sich entspannt in den Kinosessel fallen lassen und Mitleidsbekundungen abgeben über die fehlgeleiteten Jugendlichen aus den kaputten Familien. Der Film soll auch im Schulunterricht eingesetzt werden. Auf der Website zum Film werden Lehrmaterialien bereitgestellt. Lehrerinnen und Lehrer werden den Film lieben, denn er ist genau das, was sie brauchen. Die Beschäftigung mit der eigenen Rolle und dem Rassismus der Mehrheitsgesellschaft bleibt unnötig. Die prügelnden, dummen und saufenden Glatzen mit ihren Hakenkreuzen sind schließlich das Problem. Da wäre zum Beispiel Sandro (Gerdy Zine), der in der Gruppe hohe Anerkennung genießt. Für Marisa ist er neben ihrem Großvater der einzige Mensch, zu dem sie aufschaut. Er schafft es, durch besondere Brutalität zu beeindrucken.

Warum aber ein Film über schlagende und saufende Neonazis präventiv gegen rechte Ideologien wirken soll, ist unklar. Abgestandene Klischees über die Naziszene werden hier abermals verbreitet. Symptomatisch dafür sind die Hauptfiguren Marisa mit ihrer klassischen Renee-Frisur und ihr Skinhead-Freund Sandro. Es wirkt, als seien sie einer Broschüre zum Thema »Rechte Symbole, Zeichen, Codes« entsprungen. Neben tätowierten Hakenkreuzen finden sich auf ihren Körpern Runen, Aufschriften wie »Blut und Ehre«, »14 Words« und weitere NS-Folklore. Sex findet ausschließlich unter einer drei mal drei Meter großen Hakenkreuzfahne statt. Alkohol und Gewalt dürfen selbstverständlich nicht fehlen. Marisas Mutter ist selbstverständlich alleinerziehend und schenkt ihrer Tochter wenig Anerkennung. Die heterosexuelle Kleinfamilie wird im Film als Ideal hochgehalten. Als Erklärung für das Abgleiten der Jugendlichen dient, dass sie allesamt aus »kaputten Elternhäusern« kommen.

Hier der ganze Artikel.

Soldatinnen Gottes

Samstag, Dezember 3rd, 2011

 

Eine interessante Doku , in der die Regisseurin Suha Arraf vier in der Hamas aktive Frauen porträtiert und man Einblicke in die Strukturen der Terrororganisation erhält. Dabei wird deutlich, dass die, in islamistischen Gesellschaften zwar unterdrückten Frauen, nicht nur passive Opfer sondern teilweise auch von der islamischen Ideologie überzeugte „Soldatinnen Gottes“ sind. Sie haben in der Terrororganisation Hamas ihren festen Platz und übernehmen wichtige Aufgaben, so z.B. auch die antisemitische, islamistische Indoktrination ihrer Kinder.