„DIE ARBEIT NIEDER“

Intervention zum 1. Mai
von Stephan Grigat

Im Jahr 1891 schrieb Oscar Wilde in seinem Essay »Der Sozialismus und die Seele des Menschen«: »Heutzutage wird sehr viel Unsinn über die Würde der körperlichen Arbeit geschrieben. An der körperlichen Arbeit ist ganz und gar nichts notwendig Würdevolles (…). Es ist geistig und moralisch genommen schimpflich für den Menschen, irgendetwas zu tun, was ihm keine Freude macht, und viele Formen der Arbeit sind ganz freud­lose Beschäftigungen.« Hätte sich die Linke in den vergangenen 100 Jahren stärker an Oscar Wildes Schrift orientiert, anstatt den Arbeitsfetischismus ihrer zumeist moralinsauren Vordenker zu reproduzieren, hätte sie gewusst, dass Arbeit den Menschen in aller Regel nicht erfüllt, sondern fertigmacht. Sie würde nicht beklagen, dass der Gesellschaft die Arbeit ausgeht, sondern skandalisieren, dass in der bestehenden Gesellschaft solch eine ausgesprochen begrüßenswerte Entwicklung zu keiner Befreiung führt.


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Jungle World – Umerziehung ist nicht mehr Standard

via jungle world
Interview: Zoé Sona

Der elfjährigen Alex wurde bei ihrer Geburt das Geschlecht »männlich« zugewiesen, sie lebt jedoch als Mädchen bei ihrer Mutter in Berlin. Das Kind soll nun durch einen Gerichtsbeschluss vom 23. März in die Psychiatrie zwangseingewiesen werden, da das Berliner Jugendamt und ein Gutachter der Charité Alex’ Identität als behandlungsbedürftige psychische Störung ansehen. Die Jungle World sprach mit Marion Böker über diesen Fall und das Recht auf geschlechtliche Selbstbestimmung. Sie ist Beraterin für Menschenrechte und Genderfragen und unterstützt Alex und ihre Mutter im Sorgerechtsstreit mit der Berliner Justiz.

Das Bundessozialgericht hat unter Rückgriff auf wissenschaftliche Untersuchungen schon 1987 bestätigt, dass die selbst empfundene geschlechtliche Identität Vorrang vor dem äußeren physischen Erscheinen hat. Nach dem Urteil vom 6. August 1987 ist Transidentität keine Krankheit. Warum muss Alex trotzdem befürchten, zwangsweise in eine psychiatrische Institution eingewiesen zu werden?

Der juristische Hintergrund zur Behandlung von Alex ist ein Sorgerechtsstreit und kein Musterstreitfall gegen die Stigmatisierung von Trans* als Krankheit. Deshalb gilt dieses Urteil hier nicht. Alex und ihre Mutter hatten allerdings erwartet, dass das Kammergericht Berlin darauf hinweisen und sicherstellen würde, dass neben der Beurteilung durch eine Pflegerin des Jugendamtes eine weitere unabhängige Begutachtung von Alex und ihrer Mutter vorgenommen würde und sie von ihnen selbst gewählte Ärzte ambulant aufsuchen könnten. Stattdessen hat das Kammergericht die Klage der Mutter gegen das Jugendamt abgewiesen.

Trotz der Erfolge, die in den vergangenen Jahren beim Kampf um die Modernisierung des Gesetzes errungen wurden, hat das Entscheidungsrecht Minderjähriger darin noch keine Berücksichtigung gefunden.

Die derzeitige Pflegerin hat in einem Bericht über Alex geurteilt, dass das Mädchen suizidal gefährdet sei. Außerdem habe die Mutter eine zu starke Bindung zu Alex aufgebaut und ihr die Transidentität eingeredet. Das Kind würde, aus Angst seine Mutter zu verlieren, ihre Meinung völlig übernehmen. Aus all diesen Gründen will die Pflegerin das Kind zur psychiatrischen Behandlung in die Charité überweisen.

Die Pflegerin ist keine Angestellte des Jugendamts, sondern eine Bürgerin, die keine Ausbildung zur psychosozialen Betreuung von Kindern oder Jugendlichen hat. Trotzdem sind ihre Berichte entscheidend für den Umgang des Jugendamts mit der Familie. Weil die Mutter das Gesundheitsfürsorgerecht an das Jugendamt abgetreten hat, kann sie nicht mehr frei über die Wahl von Ärzten entscheiden und bekam die Begutachtung von Alex durch den Sexualmediziner Dr. Klaus Beier von der Charité vorgeschrieben.
Dr. Beier folgt – wie auch die derzeitige Pflegerin von Alex – einem wissenschaftlichen Ansatz, der Transidentität pathologisiert und die Umerziehung von Menschen zu ihrem vermeintlich »natürlichen Geschlecht« empfiehlt. Eine Zwangseinweisung von Alex und dauerhafte Behandlung durch Dr. Beier würden sie unter massiven psychischen Druck setzen. Über diese Behandlung hinaus ist vorgesehen, dass Alex nicht wieder zu ihrer Mutter zurück kann, sondern in einer Pflegefamilie leben muss.

„Die Bühne als sexualisiertes Performancefeld“ – DER CLUB BOURLESQUE BRUTAL

Die Jungle World berichtet in der aktuellen Ausgabe über den „CLUB BOURLESQUE BRUTAL“, der seit über zwei Jahren queere Bourlesque-Shows bietet.
Frau Professor La Rose erklärt ihre Auftritte folgendermaßen: „Es geht sicherlich um die Darstellung von lesbisch-queerer Lust, darum, die Bühne als sexualisiertes Performancefeld zu begreifen, auf dem Lust verhandelt wird und gleichzeitig stattfindet. Inwiefern das politisch ist, hängt von unseren Persönlichkeiten ab, davon, wen wir auf der Bühne darstellen und wie das Publikum sich verhält. Die meisten von uns würden sich als queere Fem­mes bezeichnen und das Publikum ist, zumindest in Wien, ein sehr queeres Publikum. Insofern ist der ganze Diskurs zu Körperlichkeiten und Begehren stark vor diesem Hintergrund zu lesen.“

Hier gehts zum Interview von Zoé Sona, aus der Jungle World #47
Außerdem haben wir diesen Trailer für Euch: